Phobien selbst therapieren?

So eine Spinnenphobie ist keine schöne Sache. Wer nicht selbst eine hat, findet die Ängste lächerlich. Der Phobiker fühlt sich „sozial blamiert“ und hat, im wahrsten Sinne des Wortes, keinen Bock mehr auf den ständigen Phobie-Stress.

Wenn er die Phobie los werden will, hat er zwei Möglichkeiten:

1. Er lässt sich für viel Geld (2.000 - 6.000 Euro) therapieren.
2. Er therapiert sich selbst. Für weniger Geld, aber dafür auch weniger Motivation und professionelle Betreuung.

Wer glaubt, dass ihm die Schocktherapie langfristig weiterhelfen wird, soll diese Möglichkeit ruhig versuchen – ob sie funktioniert hat, weiß er erst im Nachhinein.

Wie funktioniert eine "Selbst-Therapie"?
Besser, er therapiert sich wie die Profis: Schritt für Schritt zum Ziel. Zu allererst sollte sich der Phobiker überlegen, was sein Ziel ist: Will er Spinnen anfassen können? Will er sie tolerieren können? Will er sie fangen oder töten? Das Ziel sollte ihm klar sein.

Dann sollte sich der Phobiker eine Spinne vorstellen. Ganz genau – mit allen Beinen, Augen und Haaren. Von ganz klein bis ganz groß. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mir eine Spinne noch nie richtig angesehen habe – ich hatte gar kein richtiges Bild in meinem Kopf. Den Anblick habe ich stets vermieden.

Zeit für den nächsten Schritt: Bilder von Spinnen anschauen. Widerlich: Da gibt man bei Google „Spinnenphobie“ ein und wird konfrontiert mit seinen furchtbarsten Ängsten. Bilder zeigen widerliche Spinnen mit zum Teil noch widerlicheren Menschen, die Spinnen im Mund haben. Wie gesagt, jeder sucht sich sein eigenes Ziel – mein’s ist das nicht. Das Internet bietet genügend Bilder oder Videos von Spinnen. Fangt mit Fotos an – wenn möglich schöne, ansprechende Fotos. Macht danach mit Videos auf youtube.de oder sonstigen Videoplattformen weiter.

Nächster Schritt: Geht auf Spinnenbeobachtung in der freien Natur. Beobachtet Spinnen im Spinnennetz. Nehmt einen Stab oder sonstiges und berührt die Spinne damit. Lasst euch eine Spinne in einem Glas fangen und beobachtet sie dort.

In einem nächsten Schritt lasst ihr die Spinne für längere Zeit in diesem Glas in eurer Wohnung und sagt ihr jeden Tag „Grüß Gott“ und beobachtet sie. Wer sie frei lässt, ist euch überlassen. Vielleicht habt ihr schon so viel Mut, sie selbst auf dem Balkon oder im Garten auszusetzen.

Langsam, aber intensiv zum Ziel
Für alle Schritte gilt: Fangt mit kleinen Spinnen an. Take it easy: Der Weg ist das Ziel, also genießt ihn. Umso intensiver ihr euch für die einzelnen Schritte Zeit nehmt, desto einfacher wird es, das große Ziel zu verwirklichen. Wie die Therapie weiter geht, erfahrt ihr, sobald ich fähig bin, mir Näheres im Umgang mit einer Spinne überhaupt vorzustellen. Ein weiter Weg …


24.8.09 16:34

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(28.8.09 12:06)
Liebe Julie, wenn man sich einfach mal klar macht, wie klein und machtlos so eine DEUTSCHE Spinne ist, dann kann man sich das alles sparen!! Du merkst ich kenne mich aus.
Nachdem ich begiffen habe, dass ein Staubsauger viel stärker ist, als eine Spinne bin ich zum nächsten Schritt übergegangen.......das Klopapier in Kombination mit Schuh :-)
Heute bin ich so weit, dann ich den Schuh weg lassen kann (wenn der Feind nicht all zu groß ist) und nur mit dem Küchenpapier, Taschentuch, Kleenx o.ä. und meinen Händen die Spinne besiege!!!
Das ganze hat mich allerdings ein paar Jahre gekostet, aber wenn man nicht mehr nach Mami, Papi oder Freund brüllen kann (weil nicht da) dann geht der Prozess schneller :-)

Viele liebe Grüße
Katja


Julie / Website (28.8.09 13:30)
Hi Katja,

das macht Mut! Da ich mich von Mutter und Vater bereits räumlich getrennt habe, folgt wohl nun zwangsläufig der nächste Schritt. Blöd, dass ich genau in die andere Richtung gehe (s. Kategorie "Willkommen in der Schillerstraße") ...

Ganz liebe Grüße an dich! Julie

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